Einzigartiges Israel

»›Friede! Friede!‹, und ist doch nicht Friede.« – sagt der Prophet Jeremia (Kapitel 6,14). Ein zutreffender Bibelvers für die immer wieder scheiternden Bemühungen um Frieden im Nahen Osten – und auch global.

Friedensverträge

Als erster arabischer Staat reichte Ägypten dem jüdischen Volk die Hand zum Frieden. Nach mehreren blutigen Kriegen unterzeichneten der ägyptische Präsident Anwar el-Sadat und Israels Premierminister Menachem Begin am 26. März 1979 in Washington einen formellen Friedensvertrag. Diesem ging das Camp-David-Abkommen vom 17. September 1978 voraus, das auf der UN-Resolution 242 basierte und von US-Präsident Jimmy Carter ausgehandelt worden war. Damit war der 30-jährige Kriegszustand beendet. Als Folge erhielt Ägypten 1982 den Sinai zurück, den es im Sechstagekrieg verloren hatte und den Ägypten mit gewaltsamen Mitteln nicht hatte zurückerobern können.

Als Reaktion auf dieses Friedensabkommen schloss die Arabische Liga Ägypten als Mitglied aus und verlegte ihren Sitz von Kairo nach Tunis. Anfang der 1980er Jahre wurde Ägypten jedoch wieder aufgenommen. 1981 musste Sadat seinen Friedensschluss mit dem Leben bezahlen – er wurde von islamischen Fundamentalisten während einer Militärparade ermordet.

Nach 46 Jahren beendeten Ministerpräsident Jitzhak Rabin und der 1999 verstorbene jordanische König Hussein den Kriegszustand zwischen Israel und Jordanien. Im Zuge des Friedensprozesses mit der PLO wurde am 26. Oktober 1994 ein Vertrag abgeschlossen, der unter anderem die Anerkennung der Grenzen und die Zusammenarbeit in der Wirtschaft und der Wasserversorgung festlegte.

Vergebliche Bemühungen um Syrien

Der schwierigste Verhandlungspartner unter Israels Nachbarn ist zweifellos Syrien. Zwar liegt die letzte kriegerische Auseinandersetzung mit dem Jom-Kippur-Krieg im Jahr 1973 schon etliche Zeit zurück; trotzdem ist ein formaler Friede, wie er mit Jordanien und Ägypten besteht, in weiter Ferne.

Beobachtungsposten der UNO überwachen die Grenze zwischen Israel und Syrien.
Beobachtungsposten der UNO überwachen die Grenze zwischen Israel und Syrien.

Im Dezember 1999 kam es in Shepherdstown, USA, zu einem Gipfeltreffen von Ehud Barak und Syriens Außenminister Faruk al-Scharaa. Anfang 2000 trafen sich der amerikanische Präsident Clinton und der syrische Staatschef Hafez Al-Assad in der Schweiz um die Verhandlungen weiterzuführen.

An den Golanhöhen bissen sich die Verhandlungspartner die Zähne aus: Für Syrien ist ein vollständiger Rückzug aus dem 1967 eroberten Gebiet Voraussetzung für Friedensverhandlungen; für Israel aber wäre ein solcher Rückzug höchstens im Zuge eines stabilen Friedens möglich.

Präsident Hafez Al-Assad starb am 10. Juni 2000 im Alter von 69 Jahren und vererbte sein Amt seinem damals 34jährigen Sohn Bashar. Israel erhoffte sich eine erfolgreichere Fortführung der Gespräche mit dem neuen Herrscher, doch seit dem Regierungswechsel liegen die Gespräche auf Eis.

Seit Beginn des 2011 begonnenen Bürgerkriegs in Syrien wird die Grenze auf dem Golan umso genauer beobachtet und bewacht. Mehrmals gab es israelische Luftangriffe auf Militärstellungen syrischer Regierungstruppen, überwiegend verhält sich Israel aber gegenüber den Kampfhandlungen jenseits der Grenze passiv und neutral. Immer wieder wurden Flüchtlinge nach Israel geholt und medizinisch versorgt.

Inzwischen ist Syrien eine wichtige Lieferroute von Waffen an die Hisbollah im Libanon aus dem Iran. Immer wieder greift die israelische Luftwaffe über syrischem Gebiet an, um Waffenlieferungen zu zerstören.«

Verhandlungen mit den Palästinensern

Am 30. Oktober 1991 begann in Madrid die Nahost-Friedenskonferenz unter amerikanischer und sowjetischer Schirmherrschaft. Erstmals saßen Israelis mit Syrern, Jordaniern, Libanesen und Palästinensern an einem Tisch. Als bei den Wahlen 1992 die Arbeiterpartei an die Macht kam, wurde Jitzhak Rabin Ministerpräsident. Er forcierte die Gespräche mit den Palästinensern und akzeptierte erstmals die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO und den gefürchteten Terroristen Jassir Arafat als Gesprächspartner.

Nach monatelangen Geheimgesprächen im norwegischen Oslo erreichten Israel und die PLO einen sensationellen Durchbruch in den Verhandlungen. Rabin und Arafat unterzeichneten am 13. September 1993 in Washington die »Prinzipienerklärung über die vorübergehende Selbstverwaltung«. Als Vorbedingung sagte die PLO zu, alle Passagen aus ihrer Charta zu streichen, in denen zur Zerstörung Israels aufgerufen wurde. Dies wurde allerdings erst im Dezember 1998 umgesetzt.

Das Gaza-Jericho-Abkommen vom 4. Mai 1994 legte die Hauptpunkte des Osloer Friedensprozesses fest: Rückzug der Armee und Errichtung einer palästinensischen Autonomie in Gaza und Jericho. Jüdische Siedlungen in diesen Gebieten würden weiterhin militärisch gesichert werden. Arafat verpflichtete sich im Gegenzug, den Terrorismus zu bekämpfen und somit Frieden zu garantieren. Entscheidende Fragen wie der Status von Jerusalem wurden nicht beantwortet und sollten innerhalb von fünf Jahren geklärt werden.

Die Palmenstadt Jericho gehörte neben Gaza zum ersten Gebiet unter palästinensischer Autonomie.
Die Palmenstadt Jericho gehörte neben Gaza zum ersten Gebiet unter palästinensischer Autonomie.

Jitzhak Rabin und Außenminister Shimon Peres erhielten zusammen mit Jassir Arafat im Jahre 1994 den Friedensnobelpreis. Ein Mitglied der Nobelpreiskommission trat aus Protest gegen die Verleihung an den ehemaligen Terroristen zurück, da Arafats »einzige Qualität darin besteht, dass er im Moment nicht so viele Menschen umbringt wie vorher!«, so berichtete 1994 die »Jerusalem Post«.

Chronik der weiteren Verhandlungs-Anläufe

Rabins territoriale Kompromisse schafften ihm viele innenpolitische Feinde. Der damals 27-jährige Student Jigal Amir erschoss ihn am 4. November 1995 während einer Friedensveranstaltung in Tel Aviv. Dieser erste politische Mord in Israels Staatsgeschichte löste einen Schock in der Bevölkerung aus. Dennoch hielten sich hartnäckig Gerüchte über eine großangelegte Verschwörung und so bleibt der Mord an Rabin ebenso mysteriös wie der an John F. Kennedy. Außenminister Shimon Perez trat die Nachfolge Rabins an, legte jedoch vorgezogene Neuwahlen fest, um sich vom Volk bestätigen zu lassen.

Der Ausgang der Wahlen am 29. Mai 1996 war eine sensationelle Überraschung: Die Oppositionspartei Likud bekam die Mehrheit und Benjamin Netanjahu wurde neuer Premierminister Israels. Seine Warnung im Wahlkampf: »Peres teilt Jerusalem!« und »Israel hat die Wahl zwischen Frieden mit Sicherheit und Frieden auf Kosten der Sicherheit!« ließ das Volk den Friedensprozess neu überdenken. Die Politik Netanjahus schlug eine andere Richtung ein: Die kompromissbereite Politik Rabins war vorerst passé. Das Motto »Land für Friede« wurde umformuliert in »Land für Sicherheit und Friede«.

Im Laufe der Zeit begab sich Netanjahu immer mehr zwischen die Fronten: Die Weltöffentlichkeit, die linken Israelis und natürlich die Araber machten Netanjahu für das Stocken des Friedensprozesses verantwortlich. Nationalreligiöse Juden, Zionisten und Siedler wollten, dass der Ministerpräsident keine Kompromisse in Fragen der Sicherheit einginge und kein Land an die Araber zurückgäbe.

Nachdem Netanjahu im Wye-Abkommen am 23. Oktober 1998 der Palästinenserführung neue Zugeständnisse gemacht hatte, geriet die Durchführung ins Stocken, weil jede Seite die andere beschuldigte, die abgemachten Punkte nicht einzuhalten.

Netanjahu wollte einen sicheren Frieden, und war erst bereit, Land abzugeben, wenn Arafat dafür Frieden zusichern würde. Solange aber noch nicht über den endgültigen Status der »besetzten Gebiete« und vor allem Jerusalems beraten wurde, wäre jeder Abzug eine Landabgabe ohne Gegenleistung gewesen.

Die israelische Opposition, die EU und Amerika forderten die Durchsetzung der Versprechen, trotz der unvollständigen Erfüllung durch die Palästinenser. Die Koalitionspartner in der Regierung forderten das Gegenteil: Sie wollten am liebsten kein Land unter palästinensische Autonomie stellen. In dieser politischen Sackgasse stimmte schließlich auch Netanjahus Partei vorzeitigen Neuwahlen zu, um für die weitere Vorgehensweise im Friedensprozess die Mehrheit des Volkes hinter der von wem auch immer geführten Politik zu haben.

In den westlichen Medien war Netanjahu der Hauptverantwortliche für das Scheitern der Friedensverhandlungen. Nachdem vorgezogene Neuwahlen für Mai beschlossen wurden, ließen sich die Medien über den Premier aus und wähnten ihn vor dem »Scherbenhaufen seiner Politik«.

Im Vorfeld der Neuwahlen gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Netanjahu und dem neuen Führer der Arbeiterpartei, Ehud Barak. Der Westen, die arabische Welt und speziell die Palästinenser hofften auf eine Abwahl des »unnachgiebigen« Regierungschefs Netanjahu.

Ehud Barak wurde neuer Ministerpräsident und das israelische Volk wählte – zum dritten Mal hintereinander – die politische Wende. Die Hoffnung auf Frieden wuchs in den westlichen Medien spürbar. So schrieb die deutsche Presse deutliche Worte wie: »Die Nacht von Montag auf Dienstag war wie das Erwachen aus einem bösen, dreijährigen Traum mit Namen Netanjahu.«

Barak jedoch stellte klar, dass auch unter seiner Herrschaft eine Teilung Jerusalems nicht in Frage käme. Das war ein Schlag ins Gesicht für die Palästinenser, die Jerusalem als Hauptstadt wollten.

Am Ende seiner Amtszeit – er legte Ende 2000 sein Amt nach nicht einmal zwei Jahren nieder – hatte Barak allerdings den Palästinensern so viele Zugeständnisse gemacht wie keiner seiner Vorgänger und Arafat sogar mündlich seine Bereitschaft signalisiert, Jerusalem zu teilen. Trotz dieser Kompromissbereitschaft erreichte er keinen Frieden für Israel. Jassir Arafat war nicht zu Kompromissen bereit, wollte aber alle Forderungen erfüllt haben, auch die Rückkehr der etwa drei Millionen palästinensischen »Flüchtlinge« nach Israel. Nach dem Scheitern der Friedensverhandlungen in Wye im Sommer 2000 versuchten die Palästinenser ihren Willen zur Unabhängigkeit mit Gewalt zu unterstreichen. Ende September begannen mit der Al-Aqsa-Intifada heftige Ausschreitungen von palästinensischer Seite, die die Aktionen der Intifada 1987 weit in den Schatten stellten.

Verhandlungen in der Ära Ariel Scharon

Obwohl es Friedensanhängern in Israel und aller Welt nicht passte: Nach dem Rücktritt Ehud Baraks am 9. Dezember 2000 wählte das israelische Volk bei den vorgezogenen Neuwahlen am 6. Februar 2001 mit überwältigender Mehrheit von 62 Prozent den Likudkandidaten Ariel Scharon – der höchste Wahlsieg in der Geschichte Israels.

Ariel Scharon – den Mann, der laut palästinensischer Propaganda und den westlichen Medien dafür verantwortlich war, dass Ende September die »Al-Aqsa-Intifada« ausgebrochen war. Den Mann, der sogleich als »Bulldozer« und »Krieger« verschrien wurde. Den Mann, der »seit der Staatsgründung keinen Krieg verpasst« (so der »Spiegel«) hatte und dem auch die Mitschuld am Massaker in Sabra und Schatila im Jahr 1982 zugeschrieben wurde. Waren Ariel Scharon und damit seine Wähler Friedensgegner?

Ariel Scharon führte die Friedensverhandlungen mit härteren Bandagen als sein Vorgänger Barak, der zuletzt dem Vorschlag des amerikanischen Präsidenten zustimmte und bereit war, Jerusalem zu teilen. Doch dieses Zugeständnis entsprach bei Weitem nicht dem Willen des Volkes. Dies zeigte eine Demonstration am 8. Januar 2001, als über 300.000 Menschen auf die Straße gingen, um sich für die ungeteilte Hauptstadt auszusprechen. Und auch die Abwahl Ehud Baraks zeugte von der Liebe des Volkes zu Jerusalem.

Dagegen zitierte Ariel Scharon in seiner Antrittsrede aus Psalm 137 die Verse 5 und 6: »Wenn ich dich jemals vergesse, Jerusalem, soll meine rechte Hand gelähmt werden. Meine Zunge soll mir am Gaumen kleben, wenn ich nicht mehr an dich denke, wenn Jerusalem nicht mehr meine höchste Freude ist.«

Beim Besuch in Washington im März 2001 legte Scharon die Grundzüge seiner künftigen Palästinenserpolitik dar: In einem ersten Schritt sollten die Beschränkungen gegen palästinensische Zivilisten und die Absperrung der Autonomiegebiete gelockert und im Gegenzug die Sicherheit Israels durch ein Ende der palästinensischen Gewalt wiederhergestellt werden.

Scharon wollte mit Jassir Arafat verhandeln, doch er erwartete dafür Gegenleistungen: Die offizielle Aufforderung Arafats an die palästinensische Bevölkerung, die Gewalt zu beenden. Er wies darauf hin, dass wegen der Gewalt in den Palästinensergebieten die Zeit für den Abschluss eines endgültigen Abkommens noch nicht reif sei. Erst nach Beendigung von Terror und Mordanschlägen sollten die Verhandlungen wieder aufgenommen werden. Dabei müssten beide Seiten realistischer als bisher vorgehen und ein langfristiges Zwischenabkommen anstreben.

Nach einem halben Jahr im Amt hatte sich im Sommer 2001 am Verhältnis zwischen Israel und den Palästinensern noch nichts gebessert. Ausschreitungen, Gewalt und Terroranschläge von palästinensischer Seite hörten nicht auf, Verhandlungen gab es deshalb keine und die Armee ging teilweise hart gegen die Autonomiestädte vor. Die Politik der gezielten Tötung von Terroristen war international auf Kritik gestoßen – Vorschläge, wie die Bekämpfung des Terrors besser gemacht werden könnte, gab es allerdings nicht. Ironischerweise handelte Amerika im gleichen Zeitraum mit der Verfolgung Osama Bin Ladens nicht anders.

Mit seiner Likud-Partei errang Scharon am 28. Januar 2003 einen erneuten Wahlsieg und war damit der erste Ministerpräsident seit Langem, der in seinem Amt bestätigt wurde.

Nach seinen einseitigen Abzugsplänen aus dem Gazastreifen und dem Westjordanland gab es einen Bruch innerhalb des Likud. Daher kündigte Scharon im November 2005 seinen Rücktritt an, gründete die neue Partei Kadima und startete mit guten Chancen in den Wahlkampf. Nach seinem schweren Schlaganfall übernahm Parteikollege Ehud Olmert am 4. Januar 2006 den Posten des Ministerpräsidenten und wurde schließlich bei der Neuwahl am 28. März in diesem Amt bestätigt.

In die Regierungszeit Scharons fällt auch die Ausarbeitung der sogenannten »Roadmap«. Das »Nahost-Quartett« – gebildet von der UNO, der USA, der EU und Russland – legte Grundsätze eines Friedensplanes fest, der die Beilegung des Nahostkonflikts zum Ziel hatte sowie ein friedliches Nebeneinander zweier unabhängiger Staaten. Als Fernziel stand die Einleitung von Endstatusverhandlungen mit den schwierigen Themen wie dem Status Jerusalems und dem Rückkehrrecht palästinensischer Flüchtlinge. Davon blieb man aber meilenweit entfernt.

Ein einziges Mal reichte Ariel Scharon seinem Widersacher Mahmud Abbas die Hand: Im Februar 2005 beendeten die beiden in Scharm El-Scheich mit einem Waffenstillstand nach über vier Jahren offiziell die Al-Aqsa-Intifada.

Immer wieder am Verhandlungstisch

Mit einem »Konvergenzplan«, der an die ursprünglich von Ariel Scharon entwickelte Idee einer einseitigen Abkoppelung Israels anknüpfte, bot Ehud Olmert den Palästinensern an, innerhalb der durch die inzwischen errichteten Sperranlagen festgelegten Grenzen einen Staat Palästina zu akzeptieren. Im Gegenzug müsste dieser Grenzverlauf aber offiziell von der palästinensischen Seite anerkannt werden. Diese Lösung wurde abgelehnt.

Am 27. November 2007 gab es unter der Schirmherrschaft von US-Präsident George W. Bush und seiner Außenministerin Condoleezza Rice in Annapolis (Maryland) die ersten Nahost-Friedensgespräche, in denen eine Zwei-Staaten-Lösung als gemeinsames Ziel offen angesprochen wurde.

In einer gemeinsamen Erklärung betonten Ehud Olmert und Mahmud Abbas: »Wir bringen unsere Entschlossenheit zum Ausdruck, Blutvergießen, Leiden und jahrzehntelange Konflikte zwischen unseren Völkern zu beenden.«

Sie reichten sich die Hand und versprachen Bush, die Friedensverhandlungen bis zum Ende seiner Amtszeit im Januar 2009 erfolgreich zu beenden. Die Erklärung war jedoch trotz langer Verhandlungen im Vorfeld erst in letzter Minute zustande gekommen und klammerte die Kernfragen nach dem Status Jerusalems und der Rückkehr der Flüchtlinge aus.

Vertreter aus vielen Staaten, darunter auch arabische, waren auf der Konferenz vertreten und mehrere Staatsmänner äußerten sich hoffnungsvoll, dass »neue Wege gefunden werden«.

Beachtlich war vor allem die Teilnahme von Staaten, die keine diplomatischen Beziehungen zu Israel haben, und von denen die Vertreter Bahrains, Qatars, Marokkos und Pakistans sogar Ministerpräsident Olmert die Hand schüttelten. Syrien hatte sich dem Druck aus dem Iran widersetzt und seinen Vizeaußenminister geschickt: Auch dies schien ein Zeichen dafür, dass sich erstmals ein Spalt zwischen den gemäßigten arabischen Kräften und dem Iran und seinen radikalen Verbündeten von Hamas und Hisbollah auftat.

Wie groß die Kluft auch unter den Palästinensern war, zeigte sich in dem von der Hamas regierten Gazastreifen: 100.000 Menschen demonstrierten gegen den Gipfel in Annapolis und die Verhandlungen mit Israel.

Noch im Dezember 2007 trafen sich Abbas und Olmert erneut, im Januar 2008 trat George Bush die erste Nahostreise seiner Amtszeit an.

Aufgrund der anhaltenden innerpalästinensischen Konflikte und auch des Terrors aus dem Gazastreifen kamen die Verhandlungen jedoch vollends zum Erliegen. Auch der große Hoffnungsträger, der von 2009 bis 2017 amtierende Präsident Barack Obama, schaffte es nicht, neue Verhandlungen zu initiieren und so blieb der ihm schon zu Beginn seiner Amtszeit verliehene Friedensnobelpreis ein vergebliches Zeichen der Hoffnung.

Das Abraham-Abkommen

Ein Meilenstein in den Beziehungen zu arabischen Staaten war das sogenannte »Abraham-Abkommen« im September 2020, an dem der damalige US-Präsident Donald Trump mitgewirkt hat. Friedensverträge wurden geschlossen: zunächst mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, dann auch mit Bahrain und Marokko. Auch der Kosovo als muslimisches Land in Europa hat Anfang 2021 diplomatische Beziehungen zu Israel aufgenommen. Die Botschaft wurde in Jerusalem eröffnet. Erst kurz zuvor hatten die USA und Guatemala ihre diplomatischen Vertretungen von Tel Aviv in die eigentliche Hauptstadt Israels nach Jerusalem verlegt.

Taumelbecher Jerusalem

Schon während des Sechstagekriegs hatte die israelische Führung erklärt, dass das wiedervereinigte Jerusalem nicht wieder in fremde Hände gegeben würde. 1980 wurde sie dann annektiert und zur ewigen Hauptstadt des Staates Israel erklärt. Dieser Schritt wurde international nicht anerkannt und bis heute befinden sich fast alle Vertretungen ausländischer Staaten in Tel Aviv.

Bei Sonnenuntergang entlang der Mauer der Jerusalemer Altstadt.
Bei Sonnenuntergang entlang der Mauer der Jerusalemer Altstadt.

Nachdem die USA bereits 1995 Jerusalem als Hauptstadt anerkannt hatten, wurde die Umsetzung des Beschlusses immer wieder ausgesetzt – bis 2017. Schon kurz nach seinem Amtsantritt versprach der umstrittene US-Präsident Donald Trump, die Botschaft der USA in absehbarer Zeit nach Jerusalem zu verlegen. Am 6. Dezember 2017 ließ er Taten folgen und erklärte öffentlich, dass Jerusalem die Hauptstadt Israels sei. In seiner Rede sagte er unter anderem:

»Jerusalem ist heute ein Ort – und muss es bleiben –, an dem Juden an der Westmauer beten, an dem Christen die Stationen des Kreuzweges gehen und an dem Muslime in der Al-Aqsa-Moschee beten. Doch während all dieser Jahre haben Präsidenten, die die Vereinigten Staaten repräsentieren, es abgelehnt, Jerusalem offiziell als Israels Hauptstadt anzuerkennen. Überhaupt haben wir es abgelehnt, irgendeine israelische Hauptstadt anzuerkennen.
Aber heute erkennen wir endlich das Offensichtliche an: dass Jerusalem die Hauptstadt Israels ist. Das ist nichts anderes als die Anerkennung der Realität. Es ist auch das Richtige, dies zu tun. Es ist etwas, das getan werden muss.«

Die Weltöffentlichkeit reagierte empört, die Palästinenser riefen Tage des Zorns aus. Einer von der Türkei und vom Jemen eingebrachten Resolution in der UNO-Generalversammlung wurde mit wenigen Gegenstimmen zugestimmt – und damit Trumps Entscheidung bezüglich Jerusalem für »null und nichtig« erklärt. Auch Deutschland stimmte für die Resolution und damit gegen die USA und Israel. Doch Trump ließ sich nicht davon beirren und Benjamin Netanjahu prangerte die einseitige Vorgehensweise der UN als »absurdes Theater« und das Votum als »grotesk« an.

Nur wenige Tage später forderten die USA den UNO-Sicherheitsrat auf, über die Lage im Iran zu debattieren, wo tausende Menschen gegen das Regime protestierten. Dies wurde mit der Begründung abgelehnt, es handle sich dabei um eine innerstaatliche Angelegenheit. Dass die Situation in Israel anders bewertet wurde und dass die gesamte Anzahl an UN-Resolutionen gegen Israel größer ist, als gegenüber allen anderen Ländern zusammen, zeigt sehr deutlich auf, nach welchen Doppelstandards in dieser Institution gewertet wird. Wenn man das Messen mit Doppelstandards als Merkmal von Antisemitismus sieht, dann kann man diesen der UNO – und allen Staaten, die die Resolution gegen Trump unterstützt haben – zurecht vorwerfen.

Der trügerische »Iron-Dome-Friede«

Das israelische Verteidigungsministerium hat das Iron-Dome-System als lebensrettenden »Game Changer« bezeichnet. Es ist seit 2010 ein wesentlicher Bestandteil der Friedenssicherung im Land. Trotzdem kamen gewaltsame Auseinandersetzungen auch vor dem 7. Oktober 2023 nicht zur Ruhe. Die Lage eskalierte immer wieder – auch innenpolitisch. Immer wieder gab es in den letzten Jahren Neuwahlen, zuletzt war die umstrittene Justizreform der Netanjahu-Regierung ein großes Thema – bis zum 7. Oktober 2023.

Vielleicht hat sich Israel zu sehr auf die Technik verlassen: auf Iron Dome, auf elektronisch überwachte Grenzanlagen, auf Abhörstationen. Jedenfalls war der verheerende Überfall der Hamas vom Gazastreifen aus ein Überraschungsangriff, der den Schabbat ausnutzte, den Feiertag Simchat Tora, die innenpolitische Unruhe in Bezug auf die Justizreform – und auch einen gewissen Hochmut des Sicherheitsapparats. Einen solch koordinierten Angriff scheint der Hamas kaum jemand zugetraut zu haben: Hunderte Raketen wurden am Morgen des 7. Oktober abgefeuert und überlasteten zeitweise das Iron-Dome-System. Und doch war dieser Beschuss nur ein Ablenkungsmanöver für einen präzise vorbereiteten und gut ausgerüsteten Grenzübertritt der Terrortruppe, der mit der Ermordung von 1200 Israelis endete und ein barbarisches Massaker mit Vergewaltigungen und Verstümmelungen von vielen unschuldigen Frauen und Kindern war. Darüber hinaus wurden viele weitere Zivilisten verletzt und etwa 250 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.

Nach diesem schrecklichen Ereignis und dem anschließenden Krieg im Gazastreifen ist in näherer Zukunft an eine tragfähige Friedenslösung überhaupt nicht zu denken.