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Feste übers Jahr

Rosch HaSchana

Rosch HaSchana ist das jüdische Neujahr, wörtlich übersetzt das »Haupt des Jahres«. Es ist der erste Tag des Monats Tischri, der eigentlich der siebte Monat ist. Die Jahre im jüdischen Kalender werden ab der Schöpfung gezählt, am Abend des 13. September 2007 begann mit Rosch HaSchana das Jahr 5768.

Der Neujahrstag dauert zwei Tage lang und ist geprägt vom schmetternden oder langgezogenen Ton des »Schofar«, des Widderhorns, das als Zeichen für das kommende Gericht Gottes geblasen wird. Das Fest gilt als »Tag der Musterung aller Menschen«, Gott beurteilt Mensch und Schöpfung. Deshalb wünscht man sich: »LeSchana Towa Tekatewu« – »Zu einem guten Jahr möget ihr eingeschrieben werden (ins Buch des Lebens)!« Mit Rosch HaSchana beginnen zehn Buß- und Umkehrtage, die mit dem Versöhnungstag »Jom Kippur« enden.

Ludwig Schneider (Nachrichten aus Israel) spekuliert, dass in der traditionellen jüdischen Zeitrechnung 240 Jahre fehlen und führt dafür die Ergebnisse neuester Forschungen der Archäologie an (siehe u. a. NAI, April 1999, S. 28). Dies würde bedeuten, dass die Schöpfung am Neujahrstag im September 1999 ihren 6000. Geburtstag gefeiert hätte!

Nach den Ausführungen des Naturwissenschaftlers Dr. Werner Papke in seinem Buch »Das Zeichen des Messias« wurde Jesus Christus am Beginn des jüdischen Neujahrstages geboren, und zwar im Jahre 2 v. Chr. Dies war am Abend des 10. September 1999 vor exakt 2000 Jahren!

Jom Kippur

Der wichtigste Feiertag im jüdischen Jahr ist der große Versöhnungstag Jom Kippur. Er beschließt die zehn Bußtage am Anfang des Monats Tischri. Vor der Zerstörung des 2. Tempels betrat der Hohepriester einmal im Jahr – an Jom Kippur – das Allerheiligste des Tempels und bat Gott um Vergebung für das Volk Israel. Er brachte ein Sühneopfer dar. In einer feierlichen Zeremonie wurden zu biblischer Zeit die Sünden des Volkes symbolisch einem Bock aufgeladen, der als »Sündenbock« in die Wüste geschickt wurde. Redewendungen, die sich heute im allgemeinen Sprachgebrauch wiederfinden.

An Jom Kippur fasten 73 Prozent der Juden, in Israel steht der Verkehr still und der internationale Flughafen ist geschlossen. Kaum ein Rundfunk- und Fernsehsender ist auf Sendung. Der ganze Tag ist ein Gottesdienst, an dem der Jude Gott um die Vergebung seiner Sünden bittet. Das Gebet »Kol Nidre« spielt eine herausragende Rolle. Es ist das gesungene Flehen um die Freisprechung von nicht eingehaltenen Gelübden.

Jom Kippur ist der höchste und persönliche Feiertag für den Juden. Er wird mit größtem Ernst begangen, viele Beter tragen ihre Sterbegewänder.

Der Versöhnungstag erinnert Christen an den Opfertod Jesu. Wie der Sündenbock hat Christus unsere Sünden auf sich genommen und fortgetragen,eine wichtige Parallele zwischen Altem und Neuen Testament: Gott ist barmherzig und vergibt die Sünden der Menschen, wenn diese bußfertig und zur Umkehr bereit sind.

Siehe Nahostkonflikt; Jom-Kippur-Krieg

Sukkot (Laubhüttenfest)

Das Laubhüttenfest, auf hebräisch Sukkot, beginnt fünf Tage nach Jom Kippur, am 15. Tischri, dem Vollmondtag im September oder Oktober und dauert sieben Tage lang. Es gehört mit Pessach und dem Wochenfest zu den Wallfahrtsfesten, den Festen, die zur Zeit des Tempels mit einer Pilgerfahrt nach Jerusalem und Opfern im Tempel begangen wurden. Sukkot hat seinen Ursprung zu Zeiten der Thora. Die Israeliten wurden aufgerufen, zum Gedenken an den Auszug aus Ägypten sieben Tage in einer Laubhütte zu wohnen.

Nach jüdischer Vorschrift muss die Laubhütte provisorisch sein, unter freiem Himmel stehen und ein Dach aus Zweigen haben, durch die man die Sonne oder nachts die Sterne sieht. Jüdische Familien verbringen während der ganzen Woche möglichst viel Zeit in dieser Hütte, als Erinnerung an die Abhängigkeit des Menschen von Gott, wie sie das Volk Israel in der Wüste eindrücklich erlebt hat.


Laubhütten gibt es in allen Variationen.

Der Feststrauß »Lulaw« besteht aus einem Palmzweig, drei Myrthenzweigen, zwei Bachweiden und der Etrog-Frucht. Mit diesem Strauß werden die vier Enden der Erde mit all ihren unterschiedlichen Menschentypen gesegnet. Für Menschen, die völlig gottlos leben, stehen die Bachweiden, die weder gut riechen noch schön aussehen. Die Myrtenzweige stehen für diejenigen, die zwar Gutes tun, aber Gottes Wort nicht kennen. Für diejenigen , die Gottes Wort kennen, aber nicht danach leben, steht der Palmzweig. Die Etrog-Frucht, wunderschön und wohlriechend, steht für diejenigen, die Gottes Wort kennen und auch danach leben.

Der erste und siebte Sukkottag sind Vollfeiertage, dazwischen liegen Halbfeiertage. Das Laubhüttenfest hat als einziges Hauptfest kein christliches Pendant. Die Ursache ist in Sacharja 14 zu finden. Eines Tages werden alle Völker nach Jerusalem kommen, um gemeinsam mit dem jüdischen Volk das Laubhüttenfest zu feiern. Dies wird aber erst nach der Wiederkunft Jesu Christi geschehen. Das Volk, das dann nicht zu diesem Fest erscheinen wird, über dessen Land soll kein Regen mehr fallen.

Die »Internationale Christliche Botschaft Jerusalem« lädt schon heute Christen aus aller Welt zu diesem Fest ein. Und es werden jährlich mehr Teilnehmer – zuletzt 7000 im Jahr 2007.

Chanukka

Chanukka beginnt am Abend des 24. Kislew und dauert acht Tage lang. Es wird auch »Lichterfest« oder »Tempelweihe« genannt und erinnert an die Neuweihe des 2. Tempels im Jahre 165 v. Chr., nachdem einige Juden unter Judas Makkabäus ihn aus der Hand des griechisch-seleukidischen Feldherrn Antiochus Epiphanes zurückerobert hatte. Dieser hatte zuvor alle Juden aus Jerusalem vertrieben und aus dem Tempel ein Haus der Götzenanbetung gemacht. Er opferte Schweine auf dem Altar.

Der Tempelleuchter war gelöscht und alle Ölvorräte geplündert worden. Nur ein Ölkrug, ausreichend für nur einen Tag, war übriggeblieben. Dieses Öl brannte aber wundersamerweise nicht einen, sondern ganze acht Tage, so lange bis wieder neues Öl für den heiligen Leuchter hergestellt worden war.

Mit einem neunarmigen Leuchter erinnert man an dieses Chanukka-Wunder. Acht Tage lang wird jeden Tag ein Licht angezündet, die neunte Kerze ist das Dienerlicht.

Chanukka wird im November oder Dezember gefeiert, liegt also häufig in zeitlicher Nähe zum Weihnachtsfest. In christlicher Umgebung hat es deshalb manche Gemeinsamkeiten wie Postkartengrüße oder Geschenke.

Obwohl die beiden Feste keine direkte Beziehung zueinander haben, steht bei beiden ein Licht im Mittelpunkt – beim Weihnachtsfest Jesus Christus, das »Licht der Welt«.

Purim

Das Purimfest erinnert an die Errettung der persischen Juden zur Zeit von Xerxes I., dem König von Persien. Die Jüdin Esther und ihr Onkel Mordechai verhinderten durch ihre Weisheit und ihren Charme die Ausrottung der Juden im persischen Reich durch den antisemitischen Berater des Königs, Haman. Das biblische Buch Esther widmet sich dieser Begebenheit.

Purim ist ein Freudenfest, eine Siegesfeier gegenüber der Gefahr der Vernichtung und wird jährlich am 14. und 15. Adar (Februar oder März) gefeiert, »denn an diesen Tagen hatten sie sich von ihren Feinden befreit, ihr Leid hatte sich in Freude verwandelt und ihre Trauer in Jubel. Am 14. und 15. Tag des Monats sollten sich die Juden zu festlichen Mahlzeiten treffen, sich gegenseitig beschenken und auch die Armen dabei nicht vergessen.« (Esther 9, 22, L) Mordechai selbst hatte das Purimfest ins Leben gerufen.
In neuerer Zeit verkleiden sich an Purim die jüdischen Kinder. Die feierliche Ausgelassenheit an diesen Tagen erinnert an Karneval.

Passa

Am 15. Nissan beginnt die siebentägige Passawoche, die an die Befreiung aus der 430 Jahre dauernden Sklaverei in Ägypten durch »Gottes mächtige Hand« erinnert.

Am Tag vor Passa wird in jüdischen Familien ein Hausputz durchgeführt, bei dem jeder Krümel Sauerteig (Chametz) aufgesammelt und rituell verbrannt wird. Während der Passawoche darf nur ungesäuertes Brot gegessen werden, in Erinnerung an die hastige Flucht aus Ägypten, bei der keine Zeit mehr blieb, den Brotteig gären zu lassen.

Am Vorabend, dem »Sederabend« (»Seder« heißt »Ordnung«) sitzt die jüdische Familie an einer festlich gedeckten Tafel und liest aus der Pessach-Haggada eine vierstündige Erzählung über die Flucht aus der Knechtschaft. Unter anderem besteht das Essen an diesem Abend aus ungesäuertem Brot und Wein.

Das hebräische Pessach, den Christen als Passafest wohlbekannt, hat auch im Neuen Testament einen hohen Stellenwert: Am Sederabend nahm Jesus mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl ein. Das von Christen gefeierte Abendmahl hat seine Wurzeln im jüdischen Passamahl.

Zur Zeit des ersten und zweiten Tempels wurde zu Passa ein Lamm geschlachtet, wie es im zweiten Buch Mose verlangt wird. Das an die Türpfosten gestrichene Blut eines Lammes verhinderte nämlich bei der zehnten Plage Gottes über die Ägypter, dass der Todesengel auch die Israeliten heimsuchte und symbolisiert so die Opferbereitschaft Gottes.

Im Passafest verschmilzt das Alte Testament mit dem Neuen: Das Blut des Lammes hielt den Tod vom Volk Gottes ab, das Blut Christi, den die Bibel als »Lamm« bezeichnet, hält den Tod von seinen Nachfolgern ab. Mit Jesus wurde an Passa das Lamm geopfert, das ein- für allemal den Tod besiegt hat.

Schawuot

Das Wochenfest wird sieben Wochen, oder genauer gesagt 50 Tage, nach Passa gefeiert. Es ist das urchristliche Pfingsten, denn so wie Christi Tod und Auferstehung in die Passawoche fielen, ereignete sich 50 Tage später Pfingsten am jüdischen Wochenfest.

Für die Juden ist Schawuot das Fest, an dem die Erstlingsfrüchte Gott dargebracht werden – es ähnelt dem Erntedankfest: Synagogen und Häuser werden an diesem Tag mit Früchten geschmückt, mit Weizen, Gerste, Weintrauben, Feigen, Granatäpfeln, Oliven und Datteln.

Nach rabbinischer Sicht ist Schawuot ein Freudenfest, das an die Übergabe der Bundestafeln am Berg Sinai erinnert. So wie Gott am Sinai das Gesetz mit Feuer in die steinernen Tafeln schrieb, so schrieb er es an Pfingsten durch den Heiligen Geist in die Herzen der ersten Christen.

Tischa be-Aw

Der 9. Aw (im Juli oder August) ist für die Juden ein nationaler Volkstrauertag. Immer wieder wurde dieser Tag in der Geschichte der Juden zu einem Tag der schmerzhaften Katastrophen. Die wichtigsten Ereignisse waren die beiden Tempelzerstörungen im Jahre 587 v. Chr. durch den Babylonier Nebukadnezar und 70 n. Chr. durch den Römer Titus. Beide fielen nach der Tradition auf einen 9. Aw.

Nach der Überlieferung fielen weitere Ereignisse auf diesen Tag:

In neuerer Zeit geschahen folgende Unglücksfälle für das jüdische Volk an einem 9. Aw:

An Tischa be-Aw gelten alle Trauergebote. Der Jude darf nicht essen, trinken, arbeiten, nicht baden, sich die Haare schneiden, sich rasieren oder salben. Selbst das Thorastudium ist untersagt, denn es bereitet Freude. Juden sitzen auf dem Fußboden und trauern. An der Klagemauer in Jerusalem wird am 9. Aw getrauert, geweint, gebetet und geklagt.


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