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Der Talmud

Neben der hebräischen Bibel ist der Talmud für Juden eine der wichtigsten Schriften. Im Talmud ist die jüdische mündliche Überlieferung zusammengestellt. Er umfasst insgesamt fast 10.000 Seiten und entstand in nachbiblischer Zeit zwischen 200 und 500 n. Chr.

Die jüdische Überlieferung und Schriftauslegung umfasst eine reichhaltige Bibliothek, wie Bücherregale im Tunnel an der Klagemauer zeigen.

Trotz der Ausführlichkeit der Gesetzesvorschriften in der Thora wurden nicht alle Lebenssituationen eindeutig geklärt, beziehungsweise änderten sich die Lebensumstände, und die Gesetze mussten entsprechend angepasst werden. So musste z.B. die Frage des Gottesdienstes nach der Zerstörung des Tempels neu überdacht werden. Spätestens seit den Tagen Esras, als die fünf Bücher Mose zum geschriebenen Grundgesetz für das Israel erklärt wurden, entwickelte sich parallel zu dieser schriftlichen Thora die mündliche – die Diskussion über die Thora und die Klärung neu entstandener Fragestellung. Die »mündliche Thora« wurde für jede neue Situation erweitert, aber orientierte sich stets an der schriftlichen Thora. Wächter über die »mündliche Thora« waren die »Schriftgelehrten« (Pharisäer), die sie erklärten. Die Schriftgelehrten waren die Lehrer, die Rabbiner Israels. Nach den Überlieferungen dürfte die »mündliche Thora« nahezu so alt sein wie die Thora an sich.

Ausgehend von der »mündlichen Thora« wurde der Talmud nach der Zerstörung des Tempels und der Vertreibung des israelischen Volkes in die Diaspora geschrieben. Die Notwendigkeit ergab sich daraus, weil das Volk unter fremden Völkern und Kulturen leben musste. Dort war der Zusammenhalt und die Glaubensüberlieferung gefährdet. Daher entschloss man, die bis dahin gelehrte »mündliche Thora« auch schriftlich niederzulegen. So konnte Ende des zweiten Jahrhunderts die Mischna (schana = wiederholen) entstehen. Die Mischna wurde von mehreren Schreibern verfasst. Einer unter ihnen war Gamaliel I., ein Lehrer des Apostels Paulus. Die Mischna beinhaltet 63 Lehrabschnitte. Sie beeinflusst das Leben, Handeln und Denken frommer Juden.

Im Laufe der Zeit wurde die Mischna unverständlich aufgrund anderer geschichtlicher Zusammenhänge und neuen Lebenssituationen, die andere Lösungsansätze im Glaubensleben erforderten. So fing man an, die Mischna zu kommentieren, um sie den Menschen weiterhin zugänglich zu machen. Ende des fünften Jahrhunderts wurden die bisherigen schriftlichen Ergebnisse unter dem Namen Gemara (gamar = vollenden) schriftlich fixiert.

Juden gab es während der Diaspora auch in Israel. Da diese mit den Juden außerhalb Israels über lange Zeit keinen Kontakt hatten und zum Teil völlig andere Lebensweisen herrschten, entstanden zwei unterschiedliche Talmudim. Der »Talmud Jeruschalmi« (Jerusalemer Talmud), der in Galiläa entstand, umfasst nur einen Band und wurde bereits im 4. Jahrhundert fertiggestellt. Die in der Diaspora entstandene Version, der »Talmud Bablie« (Babylonischer Talmud) wurde im 6. Jahrhundert abgeschlossen und umfasst etwa das drei- bis vierfache. Er wurde in den nachfolgenden Zeiten immer wichtiger und häufiger bestimmend. In späterer Zeit bedurfte auch der Talmud der Erklärung, was in Form von Kommentaren geschah.


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