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Gebet im Islam

Das Gebet ist im Islam von sehr großer Bedeutung. Wer von »Gebet« spricht, meint meist das fünfmal täglich gesprochene Pflichtgebet, das als eine der fünf Säulen des Islam gilt. Es muss von jedem Muslim, von Männern und Frauen ab der Pubertät, jeden Tag zu genau festgelegten Tageszeiten auf Arabisch in Richtung Mekka gesprochen werden.

Das rituelle Gebet

Zunächst steht der Betende mit dem Gesicht in Richtung der Kaaba, dem zentralen Heiligtum des Islam in Mekka, und spricht meist den ersten Koranvers aus der letzten Sure »Ich suche Zuflucht beim Herrn der Menschen.« (Sure 114,1). Es folgt die »Absichtserklärung«, ohne die ein Gebet grundsätzlich ungültig ist, die erklärt, wie viele Niederwerfungen jetzt durchgeführt werden. Dann spricht der Betende: »Allah ist groß« und tritt damit bis zur Zeit nach dem Gebet in einen Weihezustand ein. Danach kann der Betende eine freiwilliges Lob sprechen wie etwa »Lob sei dir, o Allah, Lob sei dir! Groß ist dein Name ... es gibt keinen Gott außer dir.«

Danach folgt die Rezitierung der ersten Sure, der Fatiha, sowie weitere Koranverse. Dann verneigt sich der Betende zum ersten Mal und spricht »Ehre sei Allah« oder »Ehre sei meinem Herrn, dem Erhabenen; Ehre sei ihm!« Er richtet sich wieder auf und spricht: »Möge Allah den hören, der ihn lobpreist.« Nun fällt der Betende nieder, zuerst auf die Knie und spricht wieder »Allah ist am größten«, dann bis zur Erde, so dass Zehen, Knie, Handflächen und die Stirn den Boden berühren und sagt »Lob sei dir, mein Herr, dem Höchsten«, was er mindestens dreimal wiederholt. Er richtet sich auf die Knie auf und spricht wieder »Allah ist am größten«. Beim erneuten Niederfallen auf das Gesicht sagt er »Mein Herr, vergib mir, habe Erbarmen mit mir, gib mir, was mir zukommt, und führe mich den rechten Weg.« Damit ist das erste Niederfallen beendet.

Das rituelle Gebet stellt einen sichtbaren Ausdruck der Grundhaltung des Menschen Allah gegenüber dar: das sich Unterwerfen und sich Ausliefern an Allah und seine Allmacht kennzeichnen einen gläubigen Muslim. Der Begriff »Muslim« bedeutet wörtlich: »einer, der sich (Allah) unterwirft«. Dieses Gebet im Islam ist also in erster Linie ein Gehorsamsakt.

Gebet tilgt Sünden

Die bewusste Vernachlässigung des Gebetes ist eine der schwersten Sünden, die ein Muslim überhaupt begehen kann. Nach islamischer Vorstellung erwartet jeden Menschen am Ende der Zeiten ein Gericht, in dem seine guten und seine schlechten Taten jeweils in eine Waagschale gelegt werden. Der Ausschlag der Waage bestimmt seinen ewigen Verbleib: Hölle oder Paradies. Gebet ist ein verdienstvolles Werk, das dem gläubigen Muslim im Gericht auf die Waagschale mit seinen guten Werken gelegt wird.

Bevor der Muslim mit dem Gebet beginnen kann, muss er sich rituellen Waschungen unterzogen haben, er muss vorschriftsmäßig gekleidet sein und den Ablauf des Gebets mit seinem mehrmaligen Niederknien und Niederfallen zur Erde mit allen Bewegungsabläufen genau beherrschen. Jegliche Abweichung davon wie Essen, Sprechen, Gehen oder irgend etwas anderes außer den vorgeschriebenen Handlungen machen das Gebet ungültig.

Freiwillige und freie Gebete

Über das fünfmalige tägliche Gebet hinaus können weitere, freiwillige Gebete gesprochen werden, womit sich die Zahl der Gebete bis auf acht am Tag erhöhen kann.

Zusätzlich kennt und empfiehlt der Islam aber auch Lob- und Bittgebete, die z. B. bei Krankheit oder zur Vergebung von Sünden gesprochen werden. Meist sind es vorformulierte Gebete aus Gebetssammlungen, die Verwendung finden. Viele dieser Gebetssammlungen wurden von islamischen Mystikern (Sufis) verfasst. Diese Gebete (»du'a«) nehmen allerdings im Vergleich zu den rituellen Pflichtgebeten einen nur untergeordneten Stellenwert ein.

Außerdem berichtet der Koran von Menschen, die sich mit bestimmten Bitten an Allah wandten und erhört wurden (Sure 3,3 8; 19,4). Allah fordert im Koran die Gläubigen auf, ihn um Hilfe anzurufen, damit er ihre Bitten erfüllen kann: »Ruft mich an, dann werde ich euch erhören« (Sure 40,62), oder Sure 2,182: »Und wenn dich (= Mohammed) meine Diener nach mir fragen, so bin ich nahe, und ich erhöre, wenn einer zu mir betet, sein Rufen« (2,186). Diese Verse bedeuten jedoch nicht, dass es im Islam üblich wäre, alle Anliegen des täglichen Lebens im Gespräch vor Allah zu bringen.


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