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Al-Aqsa-Intifada


Ein Anschlag auf die Buslinie 19 in Jerusalem forderte im Januar 2004 elf Todesopfer.

Mit dem Begriff »Al-Aqsa-Intifada« wird die schlimmste Eskalation bezeichnet, die der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern in den letzten Jahren erlebt hat. Als Auslöser beschrieben die Palästinenser und mit ihnen die Medien in aller Welt den Besuch des damaligen Oppositionsführers und späteren Ministerpräsidenten Ariel Scharon auf dem Tempelplatz. Doch so einfach konnte die Schuldfrage nicht an diesem einen Ereignis festgemacht werden. Wohl schon nach dem Scheitern der Verhandlungen in Camp David am 25. Juli 2000 spielten Arafat und sein Gefolge mit dem Gedanken, das Fortschreiten der Verhandlungen mit Gewalt anzutreiben. Der Besuch Scharons war ein Vorwand, den man geschickt nutzen konnte, um Israel als Hauptaggressor darzustellen.

In Wahrheit gab es bereits zwei Tage vor dem Besuch ernstere Ausschreitungen in den arabischen Gebieten und auch zwei Attentate. Andererseits war schon im voraus klar, dass die Palästinenser den Besuch als »Provokation« ansehen würden und um des Friedens willen hätte man ihn unterlassen können. Aber Ariel Scharon wollte als jüdischer Israeli öffentlich von seinem Recht Gebrauch machen, den Tempelplatz zu betreten, der sich offiziell unter israelischer Hoheit befindet. Der Besuch war auch bei der Autonomiebehörde angekündigt worden.

Die wichtigsten Ereignisse der folgenden Tage und Woche:

Am 28. September 2000 besuchte Likudchef Ariel Scharon, begleitet von vielen Polizisten, den Tempelplatz. Wütende Moslems warfen Steine auf die Besucher. 30 israelische Polizisten wurden verletzt. Am 29. September regnete nach dem Freitagsgebet auf dem Tempelplatz ein Steinhagel auf die Polizisten an den Eingängen und auf die betenden Juden an der Klagemauer. Viele wurden verletzt und auf palästinensischer Seite gab es fünf Tote.

In der Folge weiteten sich die Ausschreitungen nach Judäa, Samaria und dem Gazastreifen aus. Es wurden nicht nur Steine geworfen: in den ersten zwei Wochen gab es über 300 Feuergefechte. Die Unruhen erreichten auch arabische Ortschaften in Israel. Erstmals wandten sich auch Araber israelischer Staatsbürgerschaft gegen das jüdische Israel.

In Europa gab es zeitgleich zu der Eskalation im Nahen Osten Demonstrationen von Arabern und Übergriffe auf jüdische Einrichtungen und Synagogen. Der Anschlag auf die Synagoge in Düsseldorf, der große Empörung hervorrief und sofort rechtsextremen Gruppierungen zugeschrieben wurde, stellte sich später als Tat eines jordanischen Arabers heraus, der mit der »palästinensischen Sache« sympatisierte.

In den palästinensischen Gebieten wurden jüdische Heiligtümer zerstört: das Grab des Josef in Sichem (Nablus) und die Synagoge in Jericho aus byzantinischer Zeit (ca. 5. bis 6. Jahrhundert). Nach der Zerstörung wurde das Josefsgrab wieder aufgebaut – als Moschee!

Zwischen die Fronten gerieten am 2. Oktober der 12-jährige Mohammed Al Dura und sein Vater im Gazastreifen. Der Junge wurde im Kreuzfeuer von palästinensischen Scharfschützen und israelischen Soldaten getroffen und verblutete in den Armen seines Vaters. Die Videobilder vom Tod des Kindes gingen durch die Medien und wurden zum Symbol für den Aufstand der Kinder gegen die übermächtigen Soldaten. Israel nahm die Verantwortung für den Tod sofort auf sich und entschuldigte sich öffentlich.

Einen Monat später ergaben jedoch Untersuchungen des Militärs, dass es unmöglich israelische Schüsse gewesen sein konnten, die den Jungen töteten. Es war sogar von einer »grausamen Verschwörung« die Rede, »inszeniert von palästinensischen Scharfschützen und einem TV-Kameramann.« (Israelnetz, 1.11.2000)

Trotz dieser Nachforschungen blieb für die Weltöffentlichkeit und vor allem für die Palästinenser Muhammed Al Dura das Opfer israelischer Aggression. Traurige Wahrheit ist dagegen, dass die Palästinenser bewusst Kinder an die Intifada-Front schickten. Man zwang so die gegnerische Seite zu äußerster Zurückhaltung, weil die israelische Armee eben unbedingt vermeiden möchte, auf Kinder zu zielen. Bilder von verletzten oder gar getöteten Kindern und Jugendliche wurden wiederholt von der palästinensischen Propaganda als Zeichen »israelischer Grausamkeit« gezeigt.

Am 7. Oktober entführten Hisbollah-Terroristen am israelischen Grenzzaun zum Libanon drei israelische Soldaten. Alle Verhandlungen und Fürsprachen aus Europa sind gescheitert. Tags darauf, am Großen Versöhnungstag Jom Kippur blieb der israelische Rundfunk, der sonst an diesem Tag stumm bleibt, mit dem Segen der Oberrabbiner auf Alarmbereitschaft. 27 Jahre zuvor war diese Funkstille von den arabischen Staaten zu einem Überraschungsangriff missbraucht worden, der den Auftakt zum Jom-Kippur-Krieg gebildet hatte.

Am 12. Oktober bogen drei israelische Reservesoldaten an der falschen Stelle ab und fuhren in die Autonomiestadt Ramallah. Die Palästinenser-Polizei brachte die beiden zum Verhör auf die Wache. Demonstranten, voller Wut auf Israel, stürmten die Polizeistation und lynchten die Israelis. Die Polizisten konnten oder wollten dies nicht verhindern. Mit Messerstichen und Tritten wurden die Soldaten getötet, aus dem Fenster geworfen und vom aufgebrachten Mob auf animalische Weise geschunden und verbrannt. Das Bild mit den blutverschmierten Händen der Täter ging durch die Weltpresse. Filmaufnahmen wurden angeblich zurückgehalten, um dem palästinensischen Image in der Weltöffentlichkeit nicht zu schaden. Journalisten wurden für die Veröffentlichung von Bildern des Mordes mit dem Tode bedroht.

Obwohl Israel die Bewohner der Angriffsziele vor den Vergeltungsschlägen warnte, um menschliche Opfer zu vermeiden, wurden in der Weltöffentlichkeit und vor allem in der palästinensischen Propaganda Aktion und Reaktion gleichgestellt und Israel zum Aggressor gebrandmarkt.

In Israel und den Palästinensergebieten waren indes immer wieder palästinensische Scharfschützen auf der Jagd nach unschuldigen israelischen Opfern. Andauernde Schusswechsel gab es zwischen dem arabischen Vorort Jerusalems Beit Jala und der benachbarten jüdischen Ortschaft Gilo. Fatah-Terroristen nahmen Häuser christlicher Palästinenser in Besitz und schossen von dort aus auf die jüdischen Nachbarn. Die israelischen Armee, die den Auftrag hatte, die Bewohner von Gilo zu beschützen, wurde für ihre Gegenangriffe »gegen friedliche palästinensische Bürger« beschuldigt und die Palästinenser hatten ein weiteres Ziel erreicht: Vertreter der Kirchen und christlicher Organisationen äußerten sich scharf gegen die »israelische Aggression«.

Nach Baraks Abdanken im Dezember 2000 flauten die Unruhen merklich ab und nach den Neuwahlen im Februar griffen die arabischen Extremisten wieder zu ihrer bewährten Waffe gegen den Frieden: Bombenanschläge mitten in Israel, um möglichst viele unschuldige Menschen in den Tod zu reißen.

Schon Anfang März 2001 war die Bilanz des Terrors und der Unruhen seit Ausbruch der zweiten Intifada erschütternd: 350 Tote waren auf auf palästinensischer Seite zu verzeichnen, mitgerechnet auch die zahlreichen Selbstmordattentäter. 63 Israelis verloren ihr Leben, viele wurden durch Anschläge verletzt und verstümmelt. Der Konflikt wurde offiziell mit dem Waffenstillstand im Februar 2005 beendet, als sich Ariel Scharon und Mahmud Abbas im ägyptischen Badeort Scharm El-Scheich die Hand reichten. Israel zählte in den über vier Jahren 138 Selbstmordanschläge, 460 Angriffe mit Kassam-Raketen sowie über 13.000 Schussüberfälle. 1036 Israelis wurden getötet und über 7000 verletzt. Die Palästinenser hatten etwa 3500 Opfer zu beklagen, knapp 1000 davon hielt Israel für Terroristen.

Die »Liste der palästinensischen Märtyrer«, die im Internet unter www.pna.org (Server existiert nicht mehr) zu finden war, listete Palästinenser auf, die seit Ausbruch der Intifada für den »Freiheitskampf« gestorben waren. Allerdings waren nach israelischen Angaben in dieser Liste auch Menschen aufgezählt, die in dieser Zeit eines natürlichen Todes gestorben sind, vorzugsweise Kinder.

Die Medien spielten während des Al-Aqsa-Aufstands und auch danach eine wichtige Rolle. Die Palästinensische Autonomieregierung berichtete äußerst einseitig und leider wurden viele Angaben und Aussagen der arabischen Seite unkontrolliert von den Nachrichtenagenturen in aller Welt übernommen und in Presse, TV und Rundfunk veröffentlicht.

Am selben Tag, als der Lynchmord in Ramallah geschah, wurde das US-Kriegsschiff »Cole«, das vor der jemenitischen Stadt Aden vor Anker lag, von Selbstmordattentätern angegriffen. Der Sprengsatz riss ein 90 Quadratmeter großes Loch in die Außenwand des Zerstörers und brachte für 17 Besatzungsmitglieder den Tod.

Monate später, am 11. September 2001, bekamen die USA den Terror in unglaublicher Weise im eigenen Land zu spüren ...

Auch der gefürchtete Terrorist Osama Bin Laden, der schon im August 1998 bei zwei fast zeitgleichen Anschlägen auf US-Botschaften in Afrika 220 Menschen in den Tod geschickt hatte, wandte sich in seinen Ansprachen immer wieder gegen Israel.


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