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Der Exodus

(V 2.7)

Nachdem der berühmte Josef schon lange gestorben war, wusste der neue Pharao nichts mehr von ihm. Er beobachtete aber, dass sich die Hebräer vermehrten und begann sie zu unterdrücken. Nach Zwangsarbeit und Sklaverei begann der ägyptische Herrscher sogar, israelitische Babys umbringen zu lassen.

In diese schwierige Situation hinein wurde Mose geboren. Seiner Mutter und Schwester gelang es, ihn zu verstecken und schließlich in einem Kästchen im Nil auszusetzen. Ausgerechnet die Tochter des Pharaos rettete das Kind und Mose wuchs am Königshof auf.

Lange Zeit später berief Gott Mose, zum Pharao zu gehen und diesem Gottes Befehl mitzuteilen, das Volk Israel freizulassen. Da dieser sich weigerte, zwang ihn Gott durch zehn Plagen, »sein Volk«, die Israeliten, in die Freiheit zu entlassen.

Für die Datierung der Ereignisse vor und während des Exodus ist die Analyse des Zeitraums zwischen Jakob und Mose wichtig, also die Zeitangabe zur Aufenthaltsdauer in Ägypten. Nach biblischer Berechnung muss der Auszug aus Ägypten ungefähr um 1450 v.Chr. stattgefunden haben. Der Zeitraum von 400 Jahren, der in der hebräischen Bibelüberlieferung für die Dauer des Aufenthalts in Ägypten angegeben wird, bringt für die Epoche der Erzväter Ungereimtheiten mit sich, wenn man die revidierte Chronologie anwendet, die für den Exodus sehr viel besser passt. Allerdings bietet hier die griechische Septuaginta-Übersetzung des Alten Testaments aus dem 3. Jh. v.Chr. eine vielversprechende Lösung: Demnach wäre der Zeitraum von 400 Jahre nicht nur auf den Aufenthalt in Ägypten zu beziehen, sondern auch auf die Zeit von Abraham bis Jakob in Kanaan. Der Teil »und Kanaan« wäre dann in der Überlieferung auf unbekannte Art und Weise herausgefallen. Die in der Bibel angegebene Anzahl von Generationen in der Gefangenschaft wäre dann ebenfalls plausibler zu verstehen (Bibelstelle).

Um das Jahr 1450 v. Chr. verließen »600.000« Männer mit Frauen und Kindern unter der Führung Moses das Land, um nach Kanaan zu ziehen. Sie konnten jedoch nicht auf direktem Weg wandern, da sie das Land der Edomiter, das zwischen Ägypten und Kanaan lag, nicht durchqueren durften. So zogen sie im Bogen östlich daran vorbei.

Die Zahl 600.000 erscheint übrigens außerordentlich hoch. Es wurde gezeigt, dass das hebräische Wort »eleph« sowohl für den Zahlenwert »1000« stehen könnte, aber auch »(Heeres-)Einheit« oder Familien-(Verband)« bedeuten kann. So wären die 600.000 Männer, die aus Ägypten auszogen, 600 Heereseinheiten mit vielleicht je einigen dutzend oder hundert Menschen. Auch an weiteren Stellen der Bibel gilt: Wird die Angabe »eleph« nicht mit »Tausendschaft«, sondern als »militärsche Einheit« einer Größe von 20 oder 40 Mann verstanden, passen viele Angaben viel besser zur beschriebenen Situation und zur inneren und äußeren Logik der Bibel.

Bereits kurze Zeit nachdem die Israeliten – begleitet von einer Vielzahl übernatürlicher Phänomene – Ägypten verlassen hatten, verloren sie aus Angst vor den Bewohnern des Landes Kanaan ihr Vertrauen in Gott und wollten lieber zurück in die Sklaverei, statt unter Gott in einem eigenen Land zu leben.

Zur Strafe ließ Gott das ganze Volk 40 Jahre lang in der Wüste zwischen Ägypten und Kanaan herumwandern, bis die ganze Generation, die Ägypten verlassen hatte, gestorben war. Erst die nachfolgende Generation durfte das Land in Besitz nehmen. Diese überschritt schließlich unter Josuas Führung von Osten kommend den Jordan – nachdem Mose auf dem Berg Nebo in Sichtweite zum verheißenen Land gestorben war. Unter der Führung Josuas eroberten die Nachkommen Abrahams als erstes die Stadt Jericho und nach und nach das ganze Land Kanaan. Sie nannten es »Land Israel«.

Die archäologischen Entdeckungen in der Stadt Jericho sind von entscheidender Bedeutung in der Diskussion um die Chronologie des Alten Testaments: Spuren einer Zerstörung, die zur biblischen Geschichte passen würden, konnten von Kathleen Kenyon anhand aufgefundener Keramik an das Ende der Mittleren Bronzezeit datiert werden, als Datum gab sie 1550 v.Chr. an. Für die Landnahme ist diese Angabe 150 Jahre zu früh, daher suchten die Bibel-Forscher nach Alternativen. William Foxwell Albright ließ bei seinem Lösungsvorschlag Jericho links liegen und fand ein scheinbar passendes Szenario für die Landnahme um 1220 v. Chr.: Andere Städte des Alten Israel wiesen hier – am Übergang von Bronzezeit zur Eisenzeit – Zerstörungsschichten auf. Die Datierung des Auszugs in diese Epoche passte mit dem damals in Ägypten herrschenden Pharao Ramses dem Zweiten zusammen, auf den man die Benennung der hebräischen Vorratsstädte zurückführte, die in der Bibel erwähnt werden. Albrights Theorie war angetreten, die Bibel mit der Archäologie in Einklang zu bringen, doch es gab zwei große Probleme: Einerseits hatte man zugunsten der scheinbaren Übereinstimmung einige biblische Zeitangaben über den Haufen geworfen. Und auf der anderen Seite passte die Fundsituation in Jericho überhaupt nicht ins Bild!

Die revidierte Chronologie bringt jedoch für Jericho eine sensationelle Übereinstimmung: die von Kathleen Kenyon entdeckte Zerstörung der Stadt würde sich auf etwa 1400 v.Chr. verschieben, also genau in die Zeit, in der Josuas Posaunen nach biblischer Datierung die Mauern zum Einsturz gebracht haben! Damit passt der archäologische Befund wieder mit der biblischen Zeitangabe überein und auch die Fundsituation in den anderen eroberten Städten passt besser als bei der Einordnung nach Albright!

Auf dem Weg von Ägypten ins verheißene Land hatten die Israeliten von Gott am Berg Sinai die Zehn Gebote empfangen, sowie eine Vielzahl von Regelungen und Anweisungen für fast alle Aspekte des täglichen Lebens. Fernsehmoderator Peter Hahne schrieb darüber: »Die gewaltigen zehn Sätze, die der Mann Gottes von diesem Berg seinem Volk brachte, haben in der Welt tiefere Spuren hinterlassen als alle revolutionären Ideen und philosophischen Entwürfe der folgenden 3000 Jahre.«

Darüber hinaus gab Gott ihnen in der Thora auch die Grundlage ihres Glaubens. Er erklärte ihnen darin, wie sie als sein Volk ihre Gottesdienste abzuhalten hätten, wie der Einzelne sich vor ihm zu verhalten habe und welche Feste das Volk zur Erinnerung an welche Ereignisse zu feiern hätte. Der Stamm Levi wurde von Gott bestimmt, den Priesterdienst zu übernehmen.

Schließlich gab er ihnen noch die Bauanweisungen für den Ort des Gottesdienstes: die Stiftshütte, ein Zelt, das als »Tempel« überall dort aufgeschlagen wurde, wo sich das Volk niederließ. Damit erhielten die Israeliten eine nationale und eine religiöse Volksidentität.

Ein Modell der Stiftshütte führt das Leben des Volkes Israel während der Wüstenwanderung vor Augen. Die Bibelausstellung von Alexander Schick wurde 2007 in Herrenberg gezeigt.

Nachdem es den Jordan überquert hatte, führte das Volk Israel einen wahren Vernichtungskrieg gegen die Bewohner des Landes Kanaan und eroberte es auf blutige Weise. Die Bibel macht deutlich, dass Gott sein Volk hier benutzte, um über jene Völker Gericht zu halten. Sie hatten jahrhundertelang grausame Bräuche getrieben, für die er sie nun durch die Hand der Israeliten bestrafte:

»Macht euch nicht unrein durch all dieses! Denn durch all dieses haben die Nationen sich unrein gemacht, die ich vor euch vertreibe. Und das Land wurde unrein gemacht, und ich suchte seine Schuld an ihm heim, und das Land spie seine Bewohner aus.« (3. Mose 18,24–25)

Nach der Eroberung wurde das Land unter den zwölf Stämmen aufgeteilt. Weil jedoch die Israeliten Gott nicht gehorcht und nicht alle Bewohner des Landes vertrieben hatten, kam es zu den von Gott angedrohten Konsequenzen: »Denn wenn ihr ... euch an den Rest dieser Nationen hängt, an die, die bei euch übrig geblieben sind, und euch mit ihnen verschwägert und in ihnen aufgeht und sie in euch, dann sollt ihr mit Sicherheit wissen, dass der HERR, euer Gott, nicht fortfahren wird, diese Nationen vor euch zu vertreiben. Und sie werden euch [dann] zum Fangnetz und zur Falle werden, zur Geißel in euren Flanken und zu Stacheln in euren Augen, bis ihr aus diesem guten Land weggerafft werdet, das der HERR, euer Gott, euch gegeben hat.« (Josua 23, 12–13)

Die zwölf Stämme fanden nicht zueinander und lagen untereinander oft im Streit. Dies wurde von Nachbarvölkern immer wieder für Raubzüge ausgenutzt.


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